Wasch- und Faltservice
Ein Wasch- und Faltservice kann lokal funktionieren, braucht aber klare Preise, Pflegegrenzen und Haftungsregeln.
Ein Wasch- und Faltservice klingt bodenständig: Du holst Wäsche ab, wäschst sie, trocknest, faltest und bringst sie zurück. Genau deshalb kann dieser Nebenverdienst lokal interessant sein. Er ist aber kein Hobby mehr, sobald du regelmäßig Geld dafür nimmst. Dann zählen Preise, Steuern, Hygiene, Textilpflege und Haftung.
Was ist das?
Ein Wasch- und Faltservice ist ein lokaler Dienstleistungs-Nebenjob. Deine Kundinnen und Kunden geben dir Alltagswäsche, Bettwäsche, Handtücher oder Arbeitskleidung. Du übernimmst den praktischen Teil: Abholung, Sortierung, Waschen, Trocknen, Falten und Rückgabe.
Rechtlich ist das in der Regel ein Gewerbe. Du verkaufst keine Ware, sondern eine Dienstleistung. Trotzdem bist du nicht automatisch freiberuflich tätig. Das Existenzgründungsportal des Bundes erklärt den Unterschied zwischen Gewerbe und freiem Beruf; ein Wäscheservice fällt typischerweise auf die gewerbliche Seite. Du meldest also meist ein Kleingewerbe beim Gewerbeamt an, wenn du dauerhaft Aufträge annimmst.
Finanziell solltest du nüchtern rechnen. Deine Einnahme ist nicht dein Gewinn. Abgehen können Strom, Wasser, Waschmittel, Fleckenmittel, Wäschebeutel, Fahrtkosten, Verpackung, Plattformgebühren, Ersatzteile für Geräte und deine Zeit. Auch Verschleiß an Waschmaschine und Trockner ist real. Wenn du nur nach Bauchgefühl Preise machst, arbeitest du schnell für sehr wenig Geld pro Stunde.
Wichtig ist auch: Du berührst fremdes Eigentum. Ein eingelaufener Wollpullover, verfärbte Hemden oder verlorene Socken können Streit auslösen. Deshalb brauchst du klare Annahmeregeln und einfache schriftliche Bedingungen.
Wie funktioniert es?
Du kannst mit einem kleinen Gebiet starten: Wohnanlage, Nachbarschaft, Studierendenviertel oder Familien im Umfeld. Üblich sind Preise pro Kilogramm, pro Maschine oder pro Wäschekorb. Für private Haushalte ist ein Kilopreis oft nachvollziehbar. Für dich ist ein Mindestpreis pro Auftrag sinnvoll, weil Abholung und Rückgabe Zeit kosten.
Praktisch brauchst du feste Abläufe. Du wiegst die Wäsche bei Annahme, prüfst grob sichtbare Schäden, trennst Farben und Materialien und dokumentierst Sonderwünsche. Pflegeetiketten sind wichtig. Wenn ein Kleidungsstück nur Handwäsche oder Reinigung erlaubt, solltest du es ablehnen oder nur mit ausdrücklicher Zustimmung bearbeiten. Für empfindliche Stoffe, Leder, Seide, Wolle, Daunen oder stark verschmutzte Textilien brauchst du eigene Regeln.
Steuerlich musst du Einnahmen aufzeichnen. Bei kleinen Umsätzen kann die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG interessant sein. Dann weist du keine Umsatzsteuer aus, solange du unter den geltenden Umsatzgrenzen bleibst. Einkommensteuer kann trotzdem anfallen, wenn dein gesamtes zu versteuerndes Einkommen hoch genug ist. Der Grundfreibetrag liegt 2026 bei 12.348 Euro. Das ist kein Freibetrag nur für den Nebenjob, sondern betrifft dein gesamtes steuerpflichtiges Einkommen.
Wenn du jemanden anstellst, gelten andere Regeln. Ein Minijob ist 2026 bis 603 Euro monatlich möglich, passend zum gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde. Die Minijob-Zentrale ist dafür die zentrale Anlaufstelle. Als Solo-Nebenverdienst ohne Beschäftigte betrifft dich das nur, wenn du später Hilfe brauchst.
Für Angestellte gilt: Prüfe deinen Arbeitsvertrag. Manche Arbeitgeber verlangen eine Anzeige oder Zustimmung für Nebentätigkeiten. Der Nebenjob darf deine Hauptarbeit nicht beeinträchtigen und nicht gegen Wettbewerbsregeln verstoßen.
Bei Bürgergeld musst du Einnahmen melden. Die Bundesagentur für Arbeit rechnet Einkommen nach Freibeträgen an. Auch Studierende, Rentner und Familienversicherte sollten vor dem Start prüfen, ob BAföG, Rente oder Krankenversicherung betroffen sind.
In der Praxis
Ein realistisches Beispiel: Du bietest Waschen, Trocknen und Falten für 4 Euro pro Kilogramm an, Mindestauftrag 18 Euro. Eine Kundin gibt dir 6 Kilogramm Wäsche. Du berechnest 24 Euro. Davon gehen geschätzt 4 bis 7 Euro für Strom, Wasser, Waschmittel, Fahrt und Verpackung ab. Wenn Abholung, Sortierung, Waschen, Trocknen, Falten und Rückgabe zusammen 2 Stunden binden, liegst du vor Steuern vielleicht bei 8 bis 10 Euro pro Stunde. Das kann passen, wenn Wege kurz sind und du mehrere Aufträge bündelst. Bei Einzelaufträgen quer durch die Stadt wird es unattraktiv.
Eine einfache Preisliste kann so aussehen: Alltagswäsche pro Kilogramm, Bettwäsche mit Zuschlag, Hemden nur gefaltet ohne Bügeln, Express nur gegen Aufpreis, Mindestauftrag immer fest. Bügeln solltest du nur aufnehmen, wenn du die Zeit wirklich einpreist. Es ist oft der Teil, der die Kalkulation kippt.
Die wichtigste Stolperfalle ist Haftung. Schreibe vor dem ersten Auftrag klar auf: Du wäschst nach Pflegeetikett, übernimmst keine Haftung für bereits beschädigte, nicht farbechte oder falsch deklarierte Textilien, prüfst Taschen nur grob und bearbeitest empfindliche Stücke nur nach Absprache. Das ersetzt keine Rechtsberatung, senkt aber das Risiko von Missverständnissen.
Auch Hygiene ist wichtig. Vermische Aufträge nicht lose miteinander. Nutze beschriftete Beutel oder Körbe, wasche stark verschmutzte Wäsche getrennt und nimm keine Textilien an, bei denen du dich gesundheitlich unsicher fühlst. Haustierdecken, medizinisch belastete Wäsche oder Schädlingsverdacht sind für einen kleinen Heimservice meist keine gute Idee.
Dokumentiere jeden Auftrag kurz: Name, Datum, Gewicht, Preis, Sonderwünsche, auffällige Schäden. Ein Foto bei sichtbaren Flecken oder Rissen kann später helfen. Bezahlen lässt du am besten bei Rückgabe per Überweisung, PayPal geschäftlich oder bar mit einfacher Quittung.
Fazit
Ein Wasch- und Faltservice kann ein solider lokaler Nebenverdienst sein, wenn du eng begrenzt startest, sauber kalkulierst und fremde Textilien nicht leichtfertig annimmst. Der nächste sinnvolle Schritt ist eine Ein-Seiten-Preisliste mit Mindestauftrag, Pflegeausschlüssen und Haftungshinweisen; danach testest du mit wenigen Kundinnen oder Kunden, ob Zeitaufwand und Gewinn wirklich zusammenpassen.