Gassi-Service für Hunde als Nebenverdienst
Ein Gassi-Service kann lokal gut passen. Wichtig sind Haftung, Kennenlernen, Wetterfestigkeit und saubere Anmeldung.
Ein Gassi-Service klingt nach einem naheliegenden Nebenverdienst: Du gehst mit Hunden spazieren, bekommst dafür Geld und arbeitest in deiner Umgebung. In der Praxis ist es aber mehr als „einmal um den Block“. Du übernimmst Verantwortung für Tiere, oft auch für Wohnungsschlüssel, und musst bei Wetter, Krankheit, Leinenpflicht und Haftung verlässlich bleiben.
Was ist das?
Ein Gassi-Service bedeutet, dass du gegen Bezahlung Hunde ausführst. Das kann einzeln passieren oder mit mehreren Hunden gleichzeitig. Typische Kunden sind Berufstätige, ältere Menschen, Familien mit wenig Zeit oder Menschen, die vorübergehend krank sind.
Rechtlich ist das in der Regel kein Hobby mehr, sobald du regelmäßig Geld dafür nimmst und nach außen Kunden suchst. Dann liegt meist ein Gewerbe vor. Du meldest es beim Gewerbeamt deiner Stadt oder Gemeinde an. Freiberuflich ist ein Gassi-Service normalerweise nicht, weil es keine klassische freiberufliche Tätigkeit wie Beratung, Unterricht oder Heilbehandlung ist.
Steuerlich zählt der Gewinn, nicht der Umsatz. Gewinn heißt: Einnahmen minus Ausgaben. Einnahmen sind deine Gassi-Gebühren. Ausgaben können zum Beispiel Leinen, Kotbeutel, Werbung, Fahrtkosten, eine Betriebshaftpflicht oder anteilige Telefonkosten sein. Den Gewinn gibst du in der Einkommensteuererklärung an, meist über die Anlage G und eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung.
Wichtig ist auch die Haftung. Wenn ein Hund wegläuft, einen anderen Hund verletzt, einen Menschen anspringt oder du einen Schlüssel verlierst, kann es teuer werden. Eine private Haftpflicht reicht dafür oft nicht. Prüfe deshalb eine Betriebshaftpflicht, die Tierbetreuung, Schlüsselverlust und Schäden durch betreute Hunde ausdrücklich abdeckt. Zusätzlich sollte der Hundehalter eine Tierhalterhaftpflicht haben. Verlasse dich aber nicht blind darauf, denn Verträge schließen gewerbliche Betreuung manchmal aus.
Wie funktioniert es?
Der Start läuft meist lokal: Aushang beim Tierarzt, Nachbarschaftsgruppen, Kleinanzeigen, eigene einfache Website oder Empfehlungen. Bevor du einen Hund übernimmst, sollte es eine Kennenlernrunde geben. Dabei klärst du Temperament, Leinenführigkeit, Verhalten bei anderen Hunden, Krankheiten, Futterregeln, Notfallkontakt und ob der Hund abrufbar ist. Lass dir Impfstatus, Chipnummer und Tierarztkontakt nennen.
Ein schriftlicher Betreuungsvertrag ist sinnvoll. Darin stehen Preis, Dauer, Abholort, Schlüsselregelung, Haftung, Notfälle, Stornierungen und die Erlaubnis, den Hund mit anderen Hunden auszuführen. Ohne klare Zustimmung solltest du Hunde nicht in Gruppen mischen.
Für 2026 sind ein paar Zahlen wichtig. Der gesetzliche Mindestlohn liegt bei 13,90 Euro pro Stunde. Die Minijob-Grenze steigt dadurch auf rund 603 Euro im Monat. Das betrifft dich vor allem, wenn du jemanden beschäftigst, zum Beispiel eine Aushilfe. Für deinen eigenen selbstständigen Nebenverdienst gilt die Minijob-Grenze nicht direkt. Du musst deinen Gewinn steuerlich erklären. Der Grundfreibetrag liegt 2026 bei 12.348 Euro. Erst wenn dein zu versteuerndes Einkommen darüber liegt, fällt Einkommensteuer an. Trotzdem kann eine Erklärung nötig sein.
Bei der Umsatzsteuer kann die Kleinunternehmerregelung helfen. Seit 2025 gilt: Im Vorjahr darf dein Umsatz grundsätzlich höchstens 25.000 Euro betragen haben, im laufenden Jahr höchstens 100.000 Euro. Dann weist du keine Umsatzsteuer aus und führst keine ab. Das ist praktisch, ersetzt aber nicht die Einkommensteuer.
Wenn du Bürgergeld bekommst, musst du Einnahmen dem Jobcenter melden. Es gibt Freibeträge, aber nicht alles bleibt anrechnungsfrei. Studierende sollten Krankenversicherung, BAföG und Arbeitsumfang prüfen. Rentner müssen je nach Rentenart und Alter ebenfalls Hinzuverdienst und Steuer prüfen. Angestellte sollten in ihren Arbeitsvertrag schauen, ob eine Nebentätigkeit angezeigt oder genehmigt werden muss. Offizielle Gründungsinfos findest du beim Existenzgründungsportal des BMWK; Sozialversicherungsthemen erklärt die Deutsche Rentenversicherung.
In der Praxis
Ein realistisches Beispiel: Du führst an drei Tagen pro Woche jeweils einen Hund 45 Minuten aus und berechnest 15 Euro pro Runde. Das ergibt 45 Euro pro Woche, also grob 180 Euro im Monat. Wenn du zwei feste Hunde pro Tag hast, können daraus etwa 360 Euro werden. Davon gehen Ausgaben ab, zum Beispiel Versicherung, Fahrten, Werbung und Material. Dein Gewinn ist also niedriger als dein Umsatz.
Mehrere Hunde gleichzeitig erhöhen den Verdienst pro Stunde, aber auch das Risiko. Zwei ruhige Hunde können gut machbar sein. Drei oder vier Hunde mit unterschiedlichem Temperament sind für Anfänger oft zu viel. Ein Hund, der stark zieht, jagt oder auf andere Hunde reagiert, kann eine ganze Gruppe kippen. Starte lieber mit Einzelrunden und nimm nur Hunde zusammen, die du vorher einzeln kennst.
Eine typische Stolperfalle ist das Wetter. Kunden erwarten Verlässlichkeit auch bei Regen, Kälte, Hitze oder Schnee. Bei Hitze musst du Runden verkürzen oder in schattige Zeiten legen. Bei Glätte brauchst du passende Schuhe und solltest keine riskanten Wege wählen. Für kurznasige, alte oder kranke Hunde gelten andere Grenzen als für junge, belastbare Tiere.
Eine zweite Stolperfalle ist der Schlüssel. Wenn du Wohnungen betrittst, brauchst du klare Regeln: Wer darf den Schlüssel haben, wie wird er aufbewahrt, was passiert bei Verlust, darfst du Flur oder Wohnung betreten, gibt es Kameras oder Alarmanlagen? Dokumentiere Übergaben schriftlich. Das wirkt nüchtern, verhindert aber Streit.
Auch Preise solltest du nicht zu niedrig ansetzen. Für 30 bis 60 Minuten sind je nach Region, Hund und Aufwand oft etwa 10 bis 25 Euro üblich. Hol- und Bringwege zählen mit. Wenn du 60 Minuten unterwegs bist, aber nur 30 Minuten berechnest, arbeitest du auf Dauer zu knapp. Prüfe regelmäßig, ob deine Preise Zeit, Versicherung, Steuern und Ausfälle abdecken.
Fazit
Ein Gassi-Service kann ein bodenständiger Nebenverdienst sein, wenn du Hunde wirklich sicher führen kannst und Verlässlichkeit mitbringst. Entscheidend sind nicht nur Tierliebe, sondern klare Verträge, passende Versicherung, saubere Anmeldung und realistische Preise. Dein nächster Schritt: Starte mit einem einzigen Hund, mache eine Kennenlernrunde, prüfe Gewerbeanmeldung und Haftpflicht, und rechne vor dem ersten Auftrag durch, was nach Kosten und Steuern übrig bleibt.